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Initiative kämpft für Flächenerhalt

Initiative kämpft für Flächenerhalt (WZ von 12.03.2020)

„Marpe für Alle“ lud zum ersten Spaziergang ein. 300 Teilnehmer waren dabei. Sie wollen mehr Unterstützung von der Politik.

Die Umgebung des Toelleturms ist eine ruhige Gegend. Villen in Straßen mit wenig Verkehr, gesetzt und würdig. Nicht häufig vermutlich werden sie von Mengen entschlossener Bürger durchstreift. Durch die Pläne zur Marpe war das jetzt anders. Zumindest zu Beginn mochten es 300 Personen gewesen sein, die dem Aufruf von „Marpe für alle!“ gefolgt waren. Die Initiative will die Flächenbebauung des Areals südlich der Adolf-Vorwerk-Straße auf 18 Hektar verhindern – oder anders gesagt: auf 180 000 Quadratmetern. Nach Plänen der Bezirksregierung sollen hier Wohnhäuser entstehen. Nötig dazu ist ein Planänderungsverfahren, das diese Nutzung ermöglichen soll – statt Landwirtschaft wie bisher. Am 2. April entscheidet der Stadtrat über die Vorlage, die die Pläne absegnen würde.

„Wir sind überwältigt von der Beteiligung“, sagte Waltraud Rinke von der Initiative „Marpe für alle“. „Vorab hatten wir Wetten abgeschlossen, wie viele kommen würden, aber Sie alle haben das getoppt.“ Nicht alltäglich war dabei der Ort ihrer Ansprache, aber für den visuellen Eindruck vom Zuspruch im Grunde ideal: Auf den Toelleturm waren sie und Dr. Regine Ahrem gestiegen, um von dort technisch verstärkt zur Menge zu sprechen. Kein Zweifel: Man war sich der Wirkung bewusst, und man will gehört werden.

Argumente gegen die Bebauung gibt man reichlich. Was bei der Kundgebung knapp aufgezählt wurde, lässt sich auf der Homepage www.marpe-fuer-alle.de im Detail studieren. So setzt die Initiative sich im Einzelnen mit der Analyse der Regionalplanungsbehörde auseinander, die das Vorhaben als ökologisch verträglich beurteilt.

Initiative glaubt, dass die Analyse als Grundlage falsch ist

Die Punktvergabe sei falsch, betonen die Macher. Etwa gab es drei Punkte zum Kriterium „Beeinträchtigung der Schutzgüter“ – soll heißen: Beeinträchtigt werde nicht. Falsch, so die Gegner, die auf die Nähe zum Naturschutzgebiet Murmelbachtal und das Quellgebiet des Murmelbachs verweisen. Aus ihrer Sicht müsste es hier null Punkte geben. Die „9“ der Behörde, die den Baggern grünes Licht gäbe: Demnach viel zu hoch.

Etwa eine halbe Stunde ging der Weg durch die Gegend. Die Schar, an ihrer Spitze starke Arme mit Transparent in Händen, zog über die Adolf-Vorwerk-Straße, vorbei an Wiesen wie auch Wohnhäusern. Bewohner der Letzteren beobachteten von ihren Grundstücken aus den ungewohnten Betrieb, der freilich sehr zivilisiert ablief. Und dessen Ziel sicher nicht zuletzt auch in ihrem Sinn war: „Alle Flächen, die Sie hier als Wiese erkennen“, formulierte Waltraud Rinke bei einem Zwischenstopp, „würden vom Bauvorhaben betroffen sein.“

Wie verhält sich die Initiative zum Umstand, dass bezahlbarer Wohnraum in Wuppertal heute dringend erforderlich ist? „Es ist richtig, dass zusätzlicher Wohnraum gebraucht wird“, sagte dazu am Ende Susanne Herhaus (Die Linke). „Dies hier aber wäre ein Projekt für Bauherrn.“ Auch sie sprach übrigens vom Turm herab, wo es nach Ende der Ortsbegehung noch Abschlussstatements gab. Aus der Politik gekommen waren übrigens unter anderem auch Michael Müller (CDU) und Klaus Jürgen Reese (SPD). Auch Vertreter von FDP und Grünen wurden gesichtet.

Ganz zufrieden mit der Polit-Präsenz war die Initiative freilich nicht: Man hätte sich mehr Beteiligung von Entscheidern gewünscht, meinte Regine Ahrem am Ende. Doch der Eindruck war klar: Die kämpferische Entschlossenheit hat das eher nur verstärkt. So fehlte denn am Toelleturm nicht der Hinweis an die Aktiven und solche, die es noch werden wollen: Die Debatte in der Ratssitzung am 2. April ist voraussichtlich öffentlich.

Quelle: WZ von 12.03.2020
Von Martin Hagemeyer
Foto: Fries, Stefan (fri)

 

2 Kommentare

  1. Ina Bonnemeier

    Es ist traurig, dass selbst in Zeiten von Corona nur an Profit und Geldmacherei gedacht wird. In diesen Zeiten wird doch um so deutlicher, wie wichtig ein Rückzugsort, eben die Natur ist, und wie dekadent es ist, den angeblichen Wohnungsmangel vorzuschieben um die einfallslosen und häßlichen Bauvorhaben hier in Wuppertal zu unterstützen. Es gibt anscheinend nur noch ein Baumuster, das sich in den letzten Jahren durchgesetzt hat, da wo Villen und Einfamilienhäuser standen, sieht man immer mehr Häuser, die eher an Garagen erinnern, denn an Wohnhäuser. Diese wunderschöne Natur, die uns Erholung und Entspannung bietet, soll durch Bebauung zerstört werden, eine Bebauung, die sicherlich nicht denen zu Gute kommt, die dringend Wohnraum benötigen. Meiner Kenntnis nach befinden sich doch auch geschützte Tierarten auf dem Gelände und allein schon aus diesem Grund erstaunt es mich, dass hier überhaupt von Baumaßnahmen gesprochen wird. Haben wir als mündige Bürger denn überhaupt kein Mitspracherecht mehr, das sollte uns alle zum Nachdenken bringen. Die Natur gibt uns Kraft und schenkt uns Gesundheit, flächendeckende Bebauung nimmt uns den Atem, immer mehr Ruhezonen und bedeutet im Endeffekt nur Negatives für den Wuppertaler Bürger, der endlich lernt, sich zu wehren und nicht alles klanglos hin zu nehmen.

    1. Regine Ahrem

      Vielen Dank für Ihren Kommentar! Wir sind für jede Hilfe dankbar, falls Sie Interesse haben sich aktiv gegen die Bebauung einzubringen, binden wir Sie gerne ein.

      Wenn die Pferdewiesen wegfallen würden, ist dies nicht nur für die Pferde ein Problem, sondern auch für die zum Teil unter Artenschutz stehenden Tiere, die sich im Bereich der Pferde angesiedelt haben. Die Pferde ziehen Insekten an, die speziell für die Schwalben lebensnotwendig sind. So würde mit den Pferden auch die Lebensgrundlage der Schwalben verschwinden und damit auch die Schwalben. Ähnlich würde es sich mit den Staren und Sperlingen verhalten, die sich gerne in der Nähe von Pferden aufhalten. Dadurch, dass immer viel Futter vorhanden ist, haben sich auch eine Reihe von Singvögeln angesiedelt, deren Bestand europaweit in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen ist. Durch den warmen Stall und Pferdemist halten sich Zaunkönige auf dem Pferdehof auf. Durch die Mäuse, die sich immer an Pferdeställen finden, werden auch immer wieder Eulen gesichtet. Auf dem Marper Weg und der Adolf-Vorwerk-Straße sind besonders an den Laternen in den Abendstunden Fledermäuse zu beobachten. Alle diese unter Artenschutz stehenden und europaweit im Bestand zurückgegangen Tiere würden bei einer Bebauung verschwinden.

      Auf den Wiesen befinden sich über 100 Jahre alte Obstbäume, die auch als Totholz stehen gelassen werden. So sind hier verschiedene Wildbienen- und Käfer-Arten angesiedelt. Da die Obstbäume der Bebauung weichen müssten, würden auch die Insekten und besonders die Wildbienen verschwinden, die doch gerade in der aktuellen Klimaschutzdebatte als besonders schützenswert eingestuft werden. Auf einer der Wiesen steht eine große eingriffelige Weißdornhecke, eingriffeliger Weißdorn steht unter Naturschutz und diese Hecke ist so groß, dass sie mit einer Bebauung nicht umplant werden könnte.

      All diese Punkte zeigen, dass sich die Politik mit dem Vorschlag zur Bebauung der Flächen entgegen ihrer Behauptungen in der Presse nicht an Klimaschutz, Artenschutz oder Tierschutz stören.

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